Was ist "Historisch reflektierte Osteopathie"?


Archiv: OT.NE.18.4
Autor: Christian Hartmann
Erstveröffentlichung: JOLANDOS-Newsletter. Editorial. Dez 2018.
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Liebe Freundinnen und Freunde der Osteopathie,

den letzten Newsletter des Jahres möchte ich gerne nutzen, um mich ganz herzlich bei allen zu bedanken, die mich und meinen kleinen JOLANDOS-Verlag 2018 mit ihren Einkäufen, Seminarteilnahmen und den vielen positiven Feedbacks unterstützt haben. Damit haben Sie zugleich die Etablierung des Markenzeichens von JOLANDOS, der historisch reflektierten Osteopathie, im deutschsprachigen Raumgefördert, was wiederum zukünftigen Osteopathie-Generationen zugute kommen wird. Und wie das genau geht, möchte ich in diesem Editorial kurz erläutern:

Was bedeutet das eigentlich genau: historisch reflektierte Osteopathie?

Es bedeutet, sich zunächst einmal einen großen Überblick über die kulturhistorischen Entwicklungen innerhalb der westlichen Welt zu verschaffen. Erst mit diesem Wissen im Gepäck ist es möglich einen seriösen, d.h. persönlich distanzierten Blick, auf die Entstehung und die Inhalte der ursprünglichen Osteopathie zu werfen. Man „beugt“ dabei das erworbene kulturhistorische Wissen auf die Osteopathie „zurück“ (lat. reflectere = zurückbeugen) und versucht die Quelltexte der ursprünglichen Osteopathie durch die Augen der Vergangenheit zu betrachten und zu interpretieren.

Auf diesem Weg erschließen sich Erkenntnisse, die bei einem Blick durch die heutige Brille unsichtbar bleiben. Man erkennt klar, wo die Osteopathie historisch zu verorten ist, welch enorme Sprengkraft sie für die orthodoxe Denkweise in der therpauetischen Welt hat; man erkennt solide Alleinstellungsmerkmale, die zentrale Bedeutung der „philosophischen Haltung“ in der Osteopathie und weit umfassendere Prinzipien, als die üblicherweise gelehrten. Danach beugt man das so erweiterte Wissen auf die heutige Zeit zurück und bemerkt schnell, welche enormen Chancen, aber auch welche Kritik die ursprüngliche Osteopathie für die „moderne“ Osteopathie bereithält.

Vor allem aber – und dies liegt mir besonders am Herzen – verändert dieser historisch „zweichfach gebeugte“ Blick die eigene therapeutische Selbstwahrnehmung. Das therapeutisches Rollenverhalten im größeren kulturellen Kontext wird deutlich, wie man sich selbst darin gefangen hält und wie man sich daraus befreien kann. „Sein und Sollen“ stehen nicht mehr im Konflikt, was eine enorme persönliche Befreiung für den klinischen Alltag bedeutet und wohl das größte Geschenk der historisch reflektierten Osteopathie ist.

Historisch reflektierte Osteopathie ist also weit mehr, als nur „Geschichte der Osteopathie“ mit netten Andekdoten zu A.T. Still. Sie schafft vielmehr ein „mind set“, das weit über den klinischen Alltag hinaus reicht und erst jenen Rahmen schafft, innerhalb dessen sich eine reflektierte therapeutische Kunst wirklich frei entfalten kann.

Alle Unterstützer von JOLANDOS, alle Teilnehmer meiner Seminare zum Thema und alle, die sich für eine feste Etablierung einer ernsthaft historisch reflektierten Osteopathie innerhalb der osteopathischen Ausbildung einsetzen, fördern somit aktiv einen Prozess, der nicht nur ein größeres Verständnis der Osteopathie ermöglicht. Sie helfen auch mit, den klinischen Alltag vor allem der nächsten Generationen von Osteopathinnen und Ostepathen enorm zu bereichern!

In diesem Sinn nochmals mein ganz herzliches Dankeschön!

Und nun lade ich Sie wieder ein, einen kleinen Rundgang im JOALNDOS-shop zu machen.

Ihr

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Christian Hartmann

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