JIM JEALOUS (1943-2021)

 

Archiv: OT.NE.21.2 Autor: Christian Hartmann
Erstveröffentlichung: JOLANDOS-Newsletter. Editorial. Januar 2021.
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EDITORIAL

James S. Jealous D.O. (1943–2021) – in memoriam


Liebe Freundinnen und Freunde der Osteopathie,

die meisten von uns haben momentan aufgrund der Ausnahmesituation mit vielen neuen Herausforderungen zu kämpfen. Ganz selbstverständlich, dass wir da völlig im gegenwärtigen Sein gefangen sind und uns nur selten Raum zum Nachdenken bleibt. Nur manchmal wird es still. Zum Beispiel beim Tod eines geschätzten Menschen. Zeit zum Innehalten!

James S. Jealous, eine der unbestritten einflussreichsten Persönlichkeiten der jüngeren Osteopathiegeschichte, ist Mitte Februar von uns gegangen; oder sagen wir lieber: er ist weiter gegangen. Ich selbst kannte ihn weit weniger als viele von Ihnen, deshalb verzichte ich auch auf einen Nachruf in diesem ganz ihm gewidmeten JOLANDOS-Newsletter. Diese Ehre gebührt jenen, die mit ihm vertrauter waren und ihm jetzt sicherlich besonders verbunden sind . Ich kann zum gegebenen Anlass nur ein kleines und für mich sehr persönliches Erlebnis mit Jim Jealous beisteuern.

Kerzen

Vor etwa 15 Jahren stand ich während eines VOD-Kongresses wie immer hinter meinem kleinen Bücherstand. Am ersten Kongress-Tag kam Marina Fuhrmann mit Dr. Jealous an ihrer Seite an den Stand. (Er war mir damals noch völlig unbekannt.) Sie hatte gesehen, dass ich auch Bio-Polos verkaufte und fragte mich, ob ich ihm welche verkaufen könnte, da sein Koffer in Frankfurt nicht angekommen war und er für die Kurse nichts anzuziehen hätte. Glücklicherweise hatte ich drei Polos in seiner Größe dabei und gab sie ihm. Dann wollte er bezahlen…

Daimonion und kairos sind zwei altgriechische religiös-philosophische Begriffe. Während daimonion eine innere göttliche Stimme bezeichnete, die vor Fehlentscheidungen warnt, galt kairos als günstiger oder stimmiger Zeitpunkt für eine bestimmte Entscheidung.

In dem Moment, als Jim zahlen wollte, warnte mich mein Daimonion davor, für die Polos Geld von ihm zu nehmen. Es schien klar, dass sie schon immer zu ihm gehört hatten. Eine Bezahlung dafür zu nehmen, hätte sich folglich angefühlt, als würde eine Art „Auftrag“ irgendwie nicht richtig ausgeführt werden.

Also winkte ich ab. Unvermittelt überraschte mich ein Kairos-Gefühl, jenes seltsame Gefühl, im richtigen Moment richtig gehandelt zu haben. Nicht als wollender, selbstbestimmter und kontrollierender Mensch, sondern lediglich als Erfüllungsgehilfe im Fluss von etwas Großem und Unbestimmbaren. Etwas Stillem. Vielleicht war es das, wovon Jim Jealous sooft gesprochen hat? Ich weiß es nicht. Andere, die ihm näher standen, können dies sicherlich besser einschätzen als ich.

Er bedankte sich bei mir und sah sich die Polos ein wenig genauer an. Auf ihnen hatte ich in Brusthöhe neben einem kleinen JOALNDOS-Logo dezent „Osteopathie berührt“ aufsticken lassen. Er fragte mich nach der Bedeutung der Worte. Ich antwortete, man könne es mit „osteopathy touches“, aber auch mit „osteopathy moves“ übersetzen. Er hielt kurz inne und nickte. Dann verließen die beiden meinen Bücherstand wieder.

Das war sie schon, meine kleine Geschichte – dachte ich jedenfalls… bis ich vor einigen Tagen aus gegebenen Anlass ein wenig nach Jim Jealous gegoogelt habe. Und siehe da, dieses Bild tauchte unvermittelt auf:

Jim Jealous

Kreise schließen sich und jetzt ist die Geschichte für mich erst wirklich ‘stimmig’.
Was für eine schöne Erinnerung an einen besonderen Moment!
Mein allerherzlichster Dank dafür und gute Reise – wohin auch immer… ;-)


Da dieser Newsletter ganz Jim Jealous gewidmet ist, wird auf weitere Werbung verzichtet.

Bis zum nächsten JOLANDOS-Newsletter und wie immer…
… viel Freude und Erfolg auf Ihrer osteopathischen Reise!

Ihr
Christian Hartmann
Christian Hartmann
JOLANDOS Verlag

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